This Is Not A Film | Film Series

GREY ROOM presents:

This is Not a Film – The Critique of Censorship

a film series curated and organised by Sarolta Pazár in collaboration with Kata Krasznahorkai and Kati Simon

 

29 January, 7PM | Kino Krokodil | Gyula Nemes : Zero (2015)

5 February, 8PM | KINO Brotfabrik | András Jeles : Traumbrigade [Álombrigád] (1983)

13 February, 8PM | Z-Bar Z-inema | Ilinca Calugareanu : Chuck Norris und der Kommunismus [Chuck Norris vs. Communism] (2015)

+++The films are presented in the original version (Hungarian and Romanian) with German subtitles+++
ALL FILMS : FREE ENTRY

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Wie werden Präsentation, Stimmung und Inhalt von Filmen sowie die Art und Weise, wie diese den Zuschauer erreichen, durch staatliche Macht beeinflusst? Kann man heutzutage einen Film noch verbieten? Und wenn nicht, mit welchen Mitteln kann eine Mauer zwischen Film und Zuschauer gezogen werden?

In der strengen Diktatur der achtziger Jahre schlichen sich westliche Filme durch die winzigsten Spalten in den Wohnzimmern der osteuropäischen Plattenbauwohnungen ein. Im gleichen Jahrzehnt wurden in Ungarn noch mehrere Dutzend Filme zensiert und umgeschnitten. Der Prozess war relativ einfach, solange noch problematische Celluloid-Einzelbilder herausgeschnitten werden konnten. War der ganze Film von Systemkritik durchdrungen, wurde er komplett indiziert. Im Jahr 2016 wird keine Filmspule mehr weggeschlossen, aber der Zensor ist wach, und der Vertrieb eines Filmes kann leicht verhindert werden. Entsprechend der Praxis und Erfahrung mehrerer Jahrzehnte übt der Widerstand gegen die Staatsmacht eine inspirierende Wirkung auf die Filmkunst aus, und je mehr ein Film versteckt werden soll, desto interessanter ist er – bis heute.

„Nachdem der Cutter das Rohmaterial angeschaut hat, sagte er: Gyula, Du weißt schon, dass dieser Film in keinem Land der EU gezeigt werden wird. Und es war tatsächlich so. Nicht nur ein Teil der Kinos, Verleiher und Journalisten wendeten sich ab, sondern auch die ausländischen Festivals waren furchtbar erschrocken.

Aber wovor? Vor dem politischen Aspekt, oder weil der Film schwer verdaulich ist?

Vor dem Ganzen. Ich beziehe mich oft auf den Film Álombrigád (Traumbrigade) [von András Jeles]; nicht nur deswegen, weil er 1983 der letzte große verbotene ungarische Film war, sondern weil ich ein großer Verehrer von András Jeles bin. In diesem Fall entschied sich die damalige Staatsmacht nicht für eine Zensur, sondern für das Verbot, weil der Film als Ganzes eine solche ästhetisch-politische Botschaft trug, die unmöglich herauszuschneiden war. Also sind meiner Meinung nach auch im Fall von Zero nicht diese 2 Sekunden, die Melonenszene, das Problem, sondern das Ganze.“

Gyula Nemes über sein Film „ZERO“ in einem Interview auf 444.hu, 26.3.2016

https://444.hu/2016/03/26/nemes-gyula-egyszer-valaki-bejott-hogy-hat-le-kene-venni-azt-a-dolgot

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Gyula Nemes : ZERO, 2015

ungarisch-tschechisch-deutscher Spielfilm, 83 Min.

29. Jan 2017, 19:00 | Kino Krokodil, Greifenhagener Str. 32 – 10437 Berlin
Tel: ab 19 Uhr, +49 30 44049298 | kinokrokodil@email.dehttp://www.kino-krokodil.de

zero_kk

„Schau ihn an, bevor er verboten wird!”

Ein Bienchen fliegt in die Honigfabrik. Der Direktor der Honigfabrik flüchtet in den Wald und wird Imker. Er verliebt sich in die Tocher des Direktors einer Mobiltelefongesellschaft. Seine Bienen sterben wegen eines nahe gelegenen Mobilfunkmastes aus. Um die Bienen zu retten, löst der Imker einen anarchistischen Terror gegen das System aus.

Andy Vajna, verantwortlicher Regierungskommissar für die Erneuerung der ungarischen nationalen Filmindustrie, verdichtete seine Meinung über dem Film von Nemes in einem Satz: „Das ist kein Film.” Es gibt kein liebevolleres Kompliment für einen Avantgarde-Regisseur, der anti-globalisierungskritische Filmsatire mit der Geste der ästhetischen und filmsprachlichen Selbstauflösung produziert.

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András Jeles : Traumbrigade [Álombrigád], 1983

ungarischer Spielfilm, 115 Min.

5. Februar 2017, 20:00 |KINO Brotfabrik, Caligariplatz 1, 13086 Berlin
Tel: +49 30 4714001, http://brotfabrik-berlin.de/kino-programm-aktueller-monat/

alombrigad

„Wir fürchten uns nicht vor der Vorführung, sondern vor den Folgen.”

Der Brigadeleiter macht sich in einem kleinen blauen Heft Notizen. Er notiert jeden Satz seiner Mitarbeiter und entschließt sich, mit seiner Brigade – unter Anwendung der aufgeschriebenen Texte – ein Theaterstück aufzuführen, um Arbeiterklasse und Kunst einander näher zu bringen.

András Jeles’ Werk von 1983 blieb als der letzte verbotene ungarische Film im allgemeinen Bewusstsein, und tatsächlich konnte der nach seiner Fertigstellung sofort weggeschlossene Film erst 1989 gezeigt werden. „Dieser Film war für die Kommunisten wie ein Bumerang für die australischen Eingeborenen: vergeblich weggeworfen, kehrte er zurück. Er hat sie ausgetrickst.” – meint der Regisseur. Der Traumbrigade ist gleichzeitig die pikierte Satire des Kádárismus und ein genaues Abbild des Zerfalls der ganzen ungarischen Gesellschaft.

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Ilinca Calugareanu : Chuck Norris und der Kommunismus [Chuck Norris vs. Communism], 2015

rumänisch-britisch-deutscher Dokumentarfilm, 78 Min.

13. Feb 2017, 20:00 | Z-Bar Z-inema, Bergstraße 2, 10115 Berlin
Tel: +49 30 28389121 | http://www.z-bar.de/Inhaltsseiten/kino.htmlmaxresdefault

„The TV program was as disastrous as the food we were eating!”

Irina Nistor flucht nicht gerne, trotzdem sind die Filme Taxi Driver, Scarface und Rocky in der ersten rumänisch-sprachigen Ausgabe in ihrer Sopranstimme zu hören. Der unvergessliche Charme dieser Voice-Over-Stimme und die in den Wohnzimmern geborenen Gemeinschaften sind ein tiefes und bleibendes Erlebnis der rumänischen Gesellschaft der achtziger Jahre, genauso wie die geheime Entdeckung der westlichen Welt durch das Anschauen kopierter Terminator– und Top Gun-Videokassetten. Calugareanus Dokumentarfilm gibt uns einen Einblick sowohl in die Organisation des Netzwerkes aus illegalem Filmschmuggel, Kopieren und Vertrieb als auch in den Nervenkitzel der Filmvorführungen in den Plattenbaukinos während der Ceausescu-Diktatur.

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Alle Filme werden im Originalton mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Kontakt : critiqueandculture@gmail.com, f: critiqueandculture

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Das Filmprogramm ist Teil der Programmreihe GREY ROOM, initiiert und realisiert von Critique&Culture e. V. Die Realisierung des Projekts wurde ermöglicht aus Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin.

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